Wenn El­tern sich tren­nen, er­le­ben Kin­der star­ke Ver­än­de­run­gen. Manch­mal ver­än­dert sich das gan­ze Le­ben­sum­feld: neue Woh­nung, neue Schu­le oder neue Kin­der­ta­ges­stät­te, neue Freun­de. Sie be­fürch­ten Va­ter oder Mut­ter zu ver­lie­ren, wenn ein El­tern­teil nicht mehr so oft zur Ver­fü­gung steht. Bei Aus­einander­set­zun­gen füh­len sie sich hin und her ge­ris­sen.

Die sub­jek­ti­ve Be­deu­tung ei­ner Tren­nung ist für man­che Kin­der und Ju­gend­li­che sehr hoch und mit Stress­be­la­stung ver­bun­den. Trennungs­kin­der rea­gie­ren auf die ver­än­der­te Si­tua­ti­on al­ters-, per­sön­lich­keits- und ge­schlechts­spe­zi­fisch.
Eltern, die sich einvernehmlich scheiden lassen wollen, sind lt. Gesetzt § 95 Abs.1a AußStrG verpflichtet , sich beraten zu lassen, um negative Auswirkungen für die Kinder möglichst gering zu halten.

Das brauchen und wollen Trennungs-bzw. Scheidungskinder

Sie als Eltern können Ihr Kind unterstützen, mit der Situation, dass Mama und Papa getrennt leben, gut zurechtzukommen, indem Sie verschiedene Aspekte beachten:

Dazu gehört der Wunsch und das Recht eines Kindes,

  • beide Eltern gleich lieb haben zu dürfen,
  • Kontakt und Nähe zu beiden Elternteilen zu haben,
  • keine Abwertungen und Beleidigungen über den anderen Elternteil hören und erfahren zu müssen,
  • die Phantasie und die Hoffnung zu haben, dass (wider jede rationale Einschätzung) „eventuell, eines Tages, alles wieder gut werde“ und die Eltern wieder zusammenfinden,
  • neue Partner der Eltern nicht sofort kennenlernen zu müssen,
  • neue Partner mögen und lieb haben zu dürfen und dabei aber auch den leiblichen Elternteil als das Einzigartige und Besondere beizubehalten und Zeit mit ihm/ihr verbringen zu dürfen,
  • nach Kontinuität und Aufrechterhaltung von Beziehungen und dem Kontakt zu Bezugspersonen, die für das Kind bedeutsam sind wie Oma, Opa, Tanten, Onkel,
  • die Vertrautheiten des Alltags, die Wohnsituation, Schule und Freunde behalten zu dürfen und
  • wichtige Rituale des Alltags möglichst beibehalten zu können.

Sie als Mama und Papa können Ihr Kind entlasten!

Für Ihr Kind ist es hilfreich, wenn

  • immer ihm wieder dem Alter und der Befindlichkeit entsprechend die Möglichkeit gegeben wird, über die Scheidung, die damit verbundenen Ereignisse, aber auch diesbezügliche Ursachen zu sprechen,
  • die Wertschätzung und der Respekt vor dem anderen Elternteil gewahrt wird, da Loyalitätskonflikte sonst neuerlich geschürt werden,
  • berücksichtigt wird, dass die Kontaktaufnahmen mit dem andern Elternteil einen verlässlichen Rahmen brauchen, innerhalb dessen Flexibilität für Sonderregelungen möglich ist,
  • es nicht als „Spion und Botschafter“ gesehen und verwendet wird, um Ängste und Konflikte nicht zu verstärken,
  • ihm das Gefühl gegeben wird, mit seinen Problemen nicht allein zu sein,
  • ihm Sorgen und Probleme zugestanden und seine Anliegen ernst genommen werden,
  • Zeit und Raum gegeben wird, um neue Partnerschaften der Eltern zu „begutachten“, wobei auch Distanz gezeigt werden darf,
    es in einer Patchwork-Konstellationen lebt, es die Gewissheit hat, den leiblichen Elternteil nicht zu verlieren und diesen auf einzigartige Weise und besonders lieb haben zu dürfen,
  • Sie als Eltern sich fachliche Beratung und Unterstützung holen und somit jemanden haben, der ihnen dabei hilft, den Blick auf die Bedürfnisse ihres Kinder zu bewahren
  • Es das Recht auf beide Eltern hat.

Gestalten Sie den familiären Alltags für ihr Kind unterstützend , indem

  • sie sich über die Besuchskontakte und über wichtige Feste im Leben der Kinder einig sind,
  • Eltern je nach Möglichkeit Schulfeste, Sport- und Freizeitaktivitäten der Kinder auch fallweise gemeinsam besuchen,
  • Möglichkeiten zur spontanen Kontaktaufnahme „auf dem kurzen Weg“ (Telefon etc.) bestehen,
  • sie sich für wichtige Belange des Kindes (bspw. Haustiere) gemeinsam engagieren und dem Kind auch auf diese Weise vermitteln, dass es ihnen wichtig ist,
  • Kinder (egal welchen Alters) auch bei jedem Elternteil „Übergangsobjekte“ haben, also Dinge, die – weil sie für die Kinder von emotionaler Bedeutung sind oder den abwesenden Elternteil symbolisieren (hier z. B. Fotos) – als „Brückenbauer“ fungieren (zwischen den zwei verschiedenen Wohnorten) sowie
  • akzeptiert wird, dass es für Kinder wichtig ist, bei Mama und Papa „zu Hause zu sein“ und die Wohnsituationen der Kinder danach ausgerichtet sind.

Dipl.Psych. Gertrud Wölke

Scheidungskinder – ihre Wünsche, Bedürfnisse und Rechte